Island 2021

Wir (mein Sohn Dominic und ich) waren noch nicht sehr lange unterwegs, als ich auf der Autobahn bemerkte, dass die Blinker am Landy nicht mehr funktionierten. Es ist ja nun nicht so, dass es jemanden etwas angeht, wohin ich fahre, aber in unserer Gesellschaft hat es sich ja inzwischen durchgesetzt, dass man seinen beabsichtigten Richtungswechsel anzeigt.

Am nächsten Parkplatz haben wir also kurz die Sicherungen und die Steckverbindung zur Absetzkabine gecheckt. Daran lag es allerdings nicht. So sind wir dann in Hamburg von der Autobahn runter und zur nächsten Landrover Werkstatt gefahren. Dort habe ich noch auf dem Seitenstreifen an der Straße das Cockpit geöffnet und das Blinker Relais gezogen. Gleich darauf wieder eingesteckt und siehe da, die Drohung mit der Werkstatt und den kalten Mechaniker Händen zeigte Wirkung, – die Blinker taten wieder wie sie sollten.

Die Weiterfahrt zum Fährhafen nach Hirtshals verlief ohne weitere Probleme.

Unterwegs trafen wir uns noch mit Jens, unserem langjährigen Reisepartner. So standen wir dann am Abend mit zwei Land Rovern in Hirtshals am Strand, wo erst einmal der Grill aufgebaut wurde. Den weiteren Abend verbrachten wir im quirligen Fischereihafen von Hirtshals, wo es immer etwas zu schauen gab, bevor wir ganz in der Nähe unser Camp für die Nacht aufschlugen.


Auch unser Frühstück verbrachten wir wieder im Hafen und schauten gemütlich bei Kaffee und Brötchen dem Treiben zu. Jens versuchte noch sein defektes Funkgerät zu reparieren. Leider widersetzte sich das Gerät dem Versuch jedoch hartnäckig. Da noch Zeit war bis zum Einchecken, fuhr Jens nach Hjöring und besorgte bei Bilthema einen Satz mobile Funkgeräte. Dominic und ich schauten in der Zwischenzeit noch beim Leuchtturm von Hirtshals vorbei.




Am Nachmittag ging es dann zum Fährterminal, wo wir unsere Tickets und eine Nummer der Reihe bekamen, in der wir uns einsortieren sollten. Dann ging es auf die Fähre. Dort mussten wir beängstigend dicht an den anderen Fahrzeugen parken und konnten anschließend unsere Kabine beziehen. Unsere Unterkunft für die nächsten Tage hatte das Fenster nach vorn hinaus und lag genau über der Brücke der Fähre. So hatten wir einen guten Ausblick in Fahrtrichtung des Schiffes. Nach langweiliger Fahrt passierten wir am nächsten Abend die Shetlandinseln, wo wir wieder für kurze Zeit Handyempfang hatten und E-Mails abrufen konnten.


Am Montagmorgen legten wir in Tórshavn auf den Färöern an und hatten dort ein paar Stunden Aufenthalt. Zunächst ging es aber erst einmal zum Frühstücksbuffet. Ich mag ja solche Buffets eigentlich nicht. Dort offenbaren sich oftmals die tiefsten menschlichen Abgründe. Die Leute benehmen sich, als ob sie Angst haben, nicht genug abzubekommen. Sie drängeln sich vor und füllen ihre Teller bis zum Bersten voll. Noch während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, mache ich einen geschmeidigen Sidestep bei gleichzeitiger Beschleunigung und überhole so das Pärchen vor mir. Die hatten schon so einen gierigen Blick, richtig schlimm. Zur Sicherheit passiere ich auch noch schnell die ältere Dame vor mir, um etwas Abstand zu den beiden zu bekommen ...

So erkundeten wir nach einem ausgiebigen Frühstück bei gutem Wetter zu Fuß den kleinen Hafenort, bevor es weiterging mit der Überfahrt.







Als wir aus dem Schutz der Inseln herauskamen, wurden die Wellen höher, sodass man in der Koje liegend eine wundersame Gewichtsabnahme verspürte, nur um gleich darauf wie ein Sumo Ringer auf die Matratze gepresst zu werden. Da unsere Kabine ganz vorn und zudem ganz oben lag, wurde das Schaukeln noch verstärkt. Aber auch das ging irgendwann vorüber und wir erreichten unseren Zielhafen Seyðisfjörður auf Island.

Die Covid - Registrierung hatten wir schon während der Überfahrt an Bord erledigt. Dort bekamen wir für die Fahrzeuge grüne Zettel für die Windschutzscheibe und beim Verlassen der Fähre wurden wir an der Zollkontrolle so durchgewunken. Unser erster Anlaufpunkt war nun ein Supermarkt im ca. 25 km entfernten Egilsstaðir. Dort traf man viele der Fahrzeugbesatzungen von der Überfahrt wieder. Nachdem wir uns mit Lebensmitteln und etwas Bargeld für die nächsten Tage eingedeckt hatten, zog es uns weiter Richtung Norden. Über die 917, wo der Asphalt schon bald dem Schotter wich, kamen wir zur 85 und folgten ihr zur Küste. Das Wetter unterwegs war Island typisch sehr wechselhaft. Sonne, Regen und Nebel wechselten sich ab und einmal fuhren wir mitten durch einen Regenbogen.


Als wir auf einer kleinen Straße die Küste entlang fuhren, entdeckten wir ein Flugzeugwrack auf einer Weide unweit eines kleinen Flugfeldes. Ich machte Jens über Funk darauf aufmerksam. Zumindest versuchte ich das. Wenn Jens hinter mir fuhr, schirmte die Wohnkabine die Funkwellen anscheinend zu stark ab. Die Verständigung mit den Handfunkgeräten hatte eindeutig noch Verbesserungspotenzial.

Der Fußweg zu dem Flugzeugwrack war einfach und so wurde es eine entspannte Besichtigung. Genau das Richtige als Einstieg in den Urlaub. Es war wahrscheinlich eine alte DC 3, die wohl schon länger dort lag. So wie sie aussah, wurde sie anscheinend zeitweilig als Schafstall genutzt.

 

Später gelangten wir nach Þórshöfn, einem kleinen Fischerdorf, wo wir unsere erste Nacht verbringen wollten. Wir steuerten den kleinen Campingplatz am Ortsrand an und waren nur ein paar isländische Kronen später eingecheckt. Nach dem Abendessen und einem Spaziergang durch den kleinen Ort trieb uns die Temperatur allerdings schon bald in die warmen Schlafsäcke. Der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein. Die Küste zu unserer Rechten mit ihrem feinen schwarzen Sand und den Felsen darin sahen einfach klasse aus.



Wir fuhren nun südwärts ins Landesinnere und besichtigten den ca. 44 m hohen Dettifoss, den leistungsstärksten Wasserfall Europas, im Vatnajökull Nationalpark. Gleich ein paar Hundert Meter flussaufwärts ist der nächste Wasserfall zu bestaunen, der Selfoss. Auch er wird vom Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum gespeist. Auch wenn er gleich heißt, hat er mit der Stadt im Süden Islands nicht zu tun.


Nachdem wir uns von der Gischt genügend haben einweichen lassen, machten wir uns wieder auf zum nächsten Ziel. Wir folgten nun der F88. Am Anfang der Piste standen Hinweisschilder, dass diese Strecke nur mit 4x4 Fahrzeugen befahren werden darf und es keine Brücken über die Flüsse gibt. Die Piste hatte reichlich Wellblech zu bieten, lag dafür aber auch in sehr schöner Landschaft. Nach einigen Kilometern und drei einfach zu fahrenden Furten erreichten wir unser heutiges Tagesziel, den Campingplatz am sehenswerten Tafelvulkan Herðubreið. Der fast kreisrunde, ca. 1680 m hohe Berg gehört zu den schönsten Bergen in Island, wobei er die ihn umgebenden Lavafelder um ca. 1000m überragt.




Der Campingplatz war schon geschlossen, die sanitären Anlagen jedoch noch geöffnet. Später gesellte sich noch ein weiteres Fahrzeug hinzu, ansonsten blieb es ruhig.


Tags darauf erreichten wir nach kurzer Fahrt die F910, welche uns weiter zum Askja führen sollte. Am Fuße des Vulkans lag das Askja Camp. Nach ein paar Hinweisen und Verhaltensregeln vom freundlichen und sogar Deutsch sprechenden Ranger fuhren wir die F894 hinauf zum Parkplatz und liefen von dort die kurze Strecke zum Vulkankrater.

In seiner Mitte befindet sich der Öskjuvatn, mit 220m Tiefe einer der tiefsten Seen Islands. Gleich nebenan liegt der Viti Krater, welcher ebenfalls mit Wasser gefüllt ist. Das Wasser hat eine konstante Temperatur von 24-28°. Wer mag und Lust hat auf den steilen Abstieg und sich an den schwefeligen Schwaden, die immer wieder aufsteigen, nicht stört, kann darin baden. Wir verzichteten jedoch darauf.





Als wir wieder gingen, kamen uns reichlich Besucher entgegen. Auf dem Parkplatz standen nun neben anderen Fahrzeugen auch 2 Hochlandbusse, welche vom Myvatn aus Ausflüge hierher anboten. Da war es gut, dass wir ganz in der Nähe übernachtet hatten und somit recht früh am Krater waren. Bei immer noch strahlenden Sonnenschein folgten wir vom Askja Camp aus der F910 und umrundeten den Vulkan auf seiner südlichen Seite, bogen dann auf eine unbenannte Piste gen Norden ein und folgten dieser in Richtung Myvatn. Wir hatten uns zuvor beim Ranger über die Zustände der beiden möglichen Pisten informiert und uns für die einsamere Strecke entschieden. Die Piste wechselte zwischen Lavafeldern und sandigen Abschnitten, welche mich an Marokko erinnerten, und wieder zurück auf scharfkantiges Lavagestein, welches das Fahren anstrengend machte und uns nur langsam vorankommen ließ. Der Fluss, welcher uns stellenweise begleitete und gequert werden musste, war nur ein Rinnsal und machte von daher keine Probleme. Fahrzeuge begegneten uns auf der Strecke keine. An der Schutzhütte Dyngjufjöll schlugen wir unser Lager für die Nacht auf. Hatten wir den ganzen Tag über Sonnenschein, kam am Abend heftiger Wind auf. So blieben wir nicht allzu lange draußen und zogen uns bald in die kuscheligen Schlafsäcke zurück. Der folgende Abschnitt der Piste ging wieder durch Lavafelder und war recht rau. Die Muster in der erkalteten Lavaoberfläche waren faszinierend anzusehen. Die Strecke hatte tiefe Schlaglöcher und wir kamen weiterhin nur recht langsam voran. Trotz der schlechten Strecke kam bei jedem Loch ein fröhliches Uuuchs oder Uuieh vom Fahrwerk. Ich war froh, dass die Dämpfer und Federn trotz der schweren Arbeit nicht ihre gute Laune verloren. Obwohl, auf den Galeeren haben die Sklaven damals wohl auch gesungen …




Nach ausgedehnten, zum Teil noch recht jungen Lavafeldern ging die Landschaft in eine Schotterwüste über. Eingerahmt von zwei Gebirgszügen lugten nur noch vereinzelte Lavahügel wie Maulwurfshaufen aus der steinigen Ebene. Irgendwann wurde die Piste besser und glich eher einem ausgefahrenen Feldweg. Die Landschaft wurde grüner und hatte große Ähnlichkeit mit dänischen Dünengebieten an der Nordsee.






Unser nächster Halt war der Goðafoss, einer der bekanntesten Wasserfälle Islands, bevor wir am Myvatn unser Camp bezogen. Die Nacht war zwar windstill, dafür hatten wir eine Kakofonie an Schiebetüren und Standheizungen der ganzen Leih-Minicamper. Später kamen noch ein paar größere Wohnmobile auf den trotz der für Island späten Reisezeit schon überfüllten Platz und standen kreuz und quer herum. Dazu wurden überall lange Stromkabel verlegt, da man ohne diese Versorgung die Nacht anscheinend nicht überstehen konnte. So ähnlich sollte es nun leider öfter auf den Campingplätzen in der Nähe der Ringstraße bleiben. Die Fridays-for-Future-Generation fährt morgens mit ihrem Happy Camper zum Waschhaus und lässt den Motor laufen, während sie duschen geht. Das hatte ich in der Art und so häufig noch nie irgendwo anders erlebt. Und das waren ausnahmslos sehr junge Leute.


Wir erkundeten die nähere Umgebung des beliebten Ausflugsziels Myvatn und kamen so zu den Pseudokratern, heißen Quellen und einen weiteren Krater mit einem See drin. Allerdings waren auch jetzt, Mitte September, noch sehr viele Mücken unterwegs. Die stechen zwar nicht, sind aber trotzdem schon sehr lästig. Man schaffte es kaum, ein Foto zu machen, ohne dass sie die Frontlinse kaperten und bildgestaltend mitwirkten …




Danach ging es für uns weiter wieder in Richtung Küste. Unterwegs trafen wir auf eine Schafherde, welche von einer Weide auf die andere sollte. Die gesamte isländische Kavallerie war zusammen mit einigen Bodentruppen nebst Hunden zu dieser Aufgabe angetreten. Die Schafe waren sicherlich etwas irritiert durch ihre Unterzahl. Die Reiter ritten mit ernster Miene und Cowboyhut auf und ab, wobei ihre Steigbügel fast auf der Erde schliffen, da die Ponys so klein waren. Die Straße selber war zusätzlich vollgestopft mit Zugfahrzeugen nebst Anhängern für die Pferde und den Autos der Mütter, welche ihre Sprösslinge vom Reit- bzw. Treibausflug wieder abholen wollten. So kam der Verkehr für eine längere Zeit in beide Richtungen komplett zum Erliegen. Jeder rumänische Wanderhirte hätte vor Lachen wahrscheinlich Bauchschmerzen bekommen ...

Aber die Kinder hatten sichtlich ihren Spaß an dieser Aufgabe.


An der Küste angekommen, kamen wir bald nach Akureyri, der Hauptstadt des Nordens. Die Ampeln in der Stadt zeigen beim roten Lichtsignal ein Herz. Das war nett anzuschauen. Für isländische Verhältnisse ist die Stadt mit ihren achtzehntausend Einwohnern recht groß und bietet gute Einkaufsmöglichkeiten. Bei unserer Weiterfahrt kamen wir an einer Supermarkttankstelle vorbei, wo wir die Dieseltanks für 210 ISK statt den sonst üblichen 237 ISK pro Liter auffüllen konnten. Auf kleinen Straßen fuhren wir weiterhin an der Küste entlang. An die "Einbreid Bru", also den einspurigen Brücken, hatten wir uns schon gewöhnt, aber der "Einbreid Göng", also ein einspuriger Tunnel, war dann doch neu für uns. Im Tunnel gab es dann immer wieder Meeting Places, wo man den Gegenverkehr durchlassen konnte.


Siglufjörður ist ein schöner kleiner Hafenort, welcher uns sehr gut gefiel. Die bunten, gepflegten Häuser und das Heringsmuseeum machten einen wirklich guten Eindruck. Ganz anders als die meist etwas tristen Orte bisher. Das gute Wetter, welches wir bisher hatten, verließ uns jetzt aber leider. Nur ab und an ließ die Sonne die Schönheit der Landschaft aufblitzen. Der Campingplatz, welchen wir für die Nacht ausgewählt hatten, nutzte eine online Anmelde- und Bezahlfunktion. Das war eigentlich sehr praktisch, wenn nicht der Betreiber abends um 23:00 Uhr uns aus den Schlafsäcken gerissen hätte, um die Bestätigung auf dem Handy einzusehen, da er mit seinem eigenen System nicht zurechtkam …


Auf flott zu fahrenden Schotterpisten ging es weiter Richtung Westfjorde. Die Sache mit dem Funk hatten wir mittlerweile ganz gut im Griff. Wenn Jens vorfuhr oder besser noch parkte und die Hecktür aufmachte, musste ich nur ganz nahe heranfahren und das Funkgerät aus dem geöffneten Fenster halten. Stellten wir dann noch eben die Motoren ab, konnte man ab und an ein paar Wortfetzen verstehen ...

Unterwegs trafen wir auf ein junges Pärchen mit ihrem Miet-Camper. Sie hatten sich einen spitzen Stein in den Reifen gefahren. Einen Ersatzreifen hatten sie wohl, aber das Werkzeug im Fahrzeug war ungeeignet, um die Schrauben der Felge zu lösen. Mit unserem Werkzeug war das Problem schnell gelöst und alle fuhren weiter ihrer Wege.


An den Tankstellen gab es immer kostenlose Waschmöglichkeiten für die Autos, welche wir auch des Öfteren nutzten. Nach den Schotterstrecken im Regen konnte man am Auto nichts mehr anfassen, ohne sich einzusauen. Wir übernachteten unweit eines kleinen Hafens und gingen dort am Abend noch etwas spazieren. Ein junger Mann fuhr die ganze Zeit mit voll aufgedrehter Musik die Straße auf und ab. Das erinnerte mich an Hammerfest, wo ich mal an einer Straße vor einem Geschäft stand und die Dorfjugend immer und immer wieder um die Runde fuhr. Nur gab es hier nicht einmal eine Runde, die man hätte fahren können. Für junge Leute muss es zeitweise ganz schön langweilig sein, wenn man dort lebt und außer toller Landschaft nicht viel angeboten wird.


Auf unseren Wegen durch die Westfjorde blieb das Wetter meist leider recht feucht in Form von Nebel oder Regen. Nur ab und an kam die Sonne mal durch und bescherte uns schöne, kräftig leuchtende Regenbogen.



Als wir am größten Wasserfall der Westfjorde vorbeikamen, dem Dynjandi Foss, wurde das Wetter von Stunde zu Stunde wieder besser. Geht man den Wanderweg am Wasserfall bis nach oben, hat man einen schönen Ausblick den Wasserfall hinunter und wie sich der Dynjandisá Fluss durch das Tal zum Fjord schlängelt. Ist ja irgendwie auch blöd, man wandert die Wege ganz nach oben, nur um zu schauen, wie schön es unten aussieht. Kann man ja auch gleich unten bleiben …


Bei nun wieder strahlenden Sonnenschein ging es über zwar asphaltierte, jedoch sehr schaukelige Straßen weiter. Diese wurden aber immer wieder von Gravelroads abgelöst, welche mehr Spaß machten zu fahren.

Wir verließen die Westfjorde, folgten aber weiterhin dem Küstenverlauf und gelangten so bei Grundarfjörður zum malerischen Kirkjufellsfoss, wo der Fluss Kirkjufellsá in 2 Stufen insgesamt 16 Meter in die Tiefe fällt. Im Hintergrund thront der namensgebende Berg Kirkjufell und rundet das Bild ab. Da Jens sein richtiges Funkgerät noch empfangen konnte, meldeten wir uns bei ihm, wenn wir anhalten wollten, um zu fotografieren oder anderes. Er quittierte das mit dem Handfunkgerät über die Piepsignaltaste. Das funktionierte so ganz gut.


Kurz vor den Felsnadeln Lóndrangar laufen wir an einem schwarzen Strand entlang, wo früher einmal die Wikinger angelandet sind. Nach strapaziöser und entbehrungsreicher Überfahrt kamen sie dort erschöpft an, sicherlich froh darüber, wieder festen Grund unter den noch schwankenden Beinen zu haben. Aber leider steht dort am Strand ein Schild mit der Aufschrift Camping verboten. Auch das Sammeln oder auftürmen von Steinen ist verboten. Da sind sie wohl enttäuscht weiter gesegelt …





Bei dem kleinen Fischerort Arnarstapi liegt eine sehr fotogene, zerklüftete Steilküste. Der stürmische Nordatlantik hat hier im Laufe der Zeit interessante Formationen geschaffen, wie Grotten, Säulen und den Gatklettur, den großen Lochfelsen mit seinem Torbogen. Der Wanderweg an der Küste entlang ist wirklich lohnend. Im Hintergrund ragt gut sichtbar der über 1440 m hohe Snæfellsjökull auf. Der Gletscher auf dem Vulkan ist die einzige Eiskappe, welche von Reykjavik aus zu sehen ist.


Unterwegs sahen wir ein paar alte Land Rover vor einem Gebäude stehen. Wir blieben stehen, um sie zu fotografieren. Da kam der Besitzer Diddi mit seinem 130er Isländer angefahren. Er wollte in Kürze eine kleine Werkstatt eröffnen, da er dort schon länger Land Rover repariert und zu Isländern, also mit großen Reifen umbaut. Bei der Gelegenheit gab er uns auch gleich seine Nummer mit. Falls wir irgendwo Probleme bekämen, könnte er sicherlich weiterhelfen, da er für viele Autovermietungen gearbeitet hat, kennt er überall auf Island weitere Mechaniker.

Reykjavik, unsere nächste Station, war eigentlich eine Aneinanderreihung von Souveniershops, an deren Ende die bekannte Kirche Hallgrimskirkja steht. Da unser Augenmerk mehr auf die wilde Natur Islands ausgerichtet war als auf Kultur oder Museen, dauerte unser Aufenthalt in der Hauptstadt nicht allzu lange.


Ganz in der Nähe liegt der zu der Zeit aktive Vulkan Fagradalsfjall. Es gibt mehrere Parkplätze, von wo aus man zum Lavafeld oder zu Aussichtspunkten des Kraters wandern kann. Die Isländer sind da sehr findig, sie haben gleich Parkplätze geschaffen, wo die Fahrzeuge per Video erfasst werden und man online die Parkgebühren entrichten muss. Von dem Parkplatz, welchen wir ansteuerten, war es nur ein kurzer Weg zum Lavafeld. Dort konnte man am Hang die noch glühende Lava erkennen, auch wenn der Vulkan gerade kein neues Magma ausspie. Auf dem Feld konnte man in der abkühlenden Lava sehr schön die verschiedenen Fließmuster erkennen. Gerade noch floss sie mit einem munteren Hüftschwung im Kreis, nur um dann an der Oberfläche abzukühlen und das so eben geschaffene Muster zu konservieren. Sehr faszinierend anzusehen. Aus zahlreichen Spalten stieg heißer Dampf auf und man konnte an den Rändern gut die Struktur der Masse und die Schwefelrückstände erkennen.


Am Kraterrand selber tat sich heute allerdings nichts, er trug lediglich einen gelben Kranz wie einen Schal als Zeichen seiner kürzlichen Aktivität. Dazu gab er leichte Rauchzeichen von sich.
Auf unseren Weg nach Landmannalaugar besuchten wir vorher noch den aktiven Geysir Strokkur. Dieser bricht alle paar Minuten aus und erreicht dabei eine Höhe von bis zu 20 m.



Über die F225 gelangten wir über eine gut zu fahrende Piste an Landmannahellir vorbei nach Landmannalaugar. Jetzt um diese Zeit war der Campingplatz bereits geschlossen, die Toiletten jedoch noch geöffnet. Die meisten Besucher kommen wohl von Norden über die F208, welche ohne Furten bis hierher führt. So standen dann auch ein paar Dacia Duster und Konsorten vor den beiden kleinen Furten unmittelbar vor dem Campingplatz. Neben uns stand nur noch ein einziger Pickup mit Wohnkabine auf dem Platz. So hatten wir eine sehr ruhige Nacht, ganz ohne Schiebetüren und laufende Motoren.


Die Landschaft in Landmannalaugar mit seinen farbigen Bergen ist einzigartig und gehört wohl zu der schönsten Gegend Islands. Hier sieht es aus wie seit Anbeginn der Zeit. Gott schuf die Erde und am siebten Tag sagte er, es werde Licht. Und es ward Licht. Ok, ist noch ein bisschen schummrig, die Beleuchtung, aber das wird schon noch. Wir folgten der F208 durch reizvolle Landschaft und bogen dann in die F233, um zur F210 zu gelangen. Zuvor machten wir noch einen lohnenden Abstecher zum Ófærufoss, welcher in Eldgjá, der ca. 8 km langen Feuerschlucht liegt. Später führte uns dann die F233 nordwärts zur F210. Die Landschaft war sehr schön, es gab mehrere Furten, welche bis auf eine sehr einfach zu fahren waren. Die Furt bei Álftavötn war etwas tiefer und hatte auch größere Steine im Flussbett liegen. Hier musste man schon etwas vorsichtiger sein. Unterwegs war es sehr stürmisch und wir sahen einen kleinen Wasserfall, wo das Wasser es nicht mehr schaffte, unten anzukommen. Der starke Wind blies das Wasser bis über die Fallkante wieder hinauf und zerstreute es dort. Das war schon beeindruckend anzusehen. Auf der Piste waren immer wieder größere Pfützen, deren Wellen höher waren als auf dem Balaton …







Insgesamt war der kurze Streckenabschnitt wegen der schönen Landschaft durchaus sehenswert. An der F210 angekommen, führte uns die Piste nach Westen. Dort erwartete uns ein großes, schwarzes Schwemmsandgebiet. Es sah so aus, als ob der liebe Gott bei der Erschaffung der Erde hier nicht so ganz bei der Sache war. Zahlreiche Flussläufe verliefen kreuz und quer über die markierte Piste, welche ohne die Markierungen in der ebenen Fläche nur schlecht zu erkennen gewesen wäre. Schon von weiten sah man den imposanten Kegelvulkan Mælifell, welcher 200 m über seine Umgebung aufragt. Zu unserer Linken lag der Mýrdalsjökull, Islands viertgrößten Gletscher. Von ihm wehte ein eisiger Wind herüber. Unter dem Gletscher liegt der gefürchtete Katla, der aktivste Vulkan Islands, dessen Ausbruch statistisch gesehen überfällig war. Aber jetzt hatte er solange gewartet, da konnte er uns auch noch eben durchlassen. Hinter dem Mælifell bogen wir von der F210 ab nach Norden, wir wollten zur Schutzhütte Strútur am Rande der Schwemmsandebene, um dort zu übernachten. Die Piste dorthin stand stellenweise komplett unter Wasser, so etwas nennt man wohl eine Piste, die sich gewaschen hat ;-)




Der Landy quengelte rum, er wolle Schwimmflügel haben und überhaupt sei das Wasser saukalt. Er wäre ja eh dafür gewesen, wieder in die Sahara zu fahren und von dem vielen Wasser hätte er schon ganz schrumpelige Reifen usw.. Nörgel, nörgel ...

Die Schutzhütte war einsam und verlassen; die Toiletten jedoch offen. Wir stellen uns wegen des starken Windes neben die Hütte, um etwas Windschutz zu haben. Da es sehr stürmisch war, ließen wir nachts das Klappdach geschlossen und schliefen unten in der Wohnkabine. Am Morgen hatte der Wind nachgelassen, es herrschte totale Ruhe in der Kabine. Und merkwürdig dunkel war es auch irgendwie. Als ich die Heckklappe öffnete, rutschte ein Schneebrett herunter und es kam wieder Licht durchs Fenster. Über Nacht hatte es geschneit und alles war weiß überzogen. Die Kühlbox vorne im Landy, welche auf 7 °C eingestellt war, zeigte nur noch 0 °C an. Unsere unansehnliche Gänsehaut kaschierten wir schnell mit Pullover und Jacke und machten uns alsbald wieder auf den Weg. Aufgrund der Wetterlage beschlossen wir, wieder zurück zur F210 zu fahren und ihr südwärts zur F208/F209 zu folgen, anstatt auf der nun schlecht zu erkennenden Piste weiter Richtung Westen zu fahren. Auch der Mælifell, tags zuvor noch strahlend grün, war nun weiß überzogen. Das Gequengel vom Landy wurde lauter, das Wasser wäre nun noch kälter, die Steine spitzer usw. Mit einem beherzten Dreh am Autoradio wurde das Genörgel geschickt überspielt und weiter ging die muntere Fahrt durch die verschneite Landschaft.



Je weiter wir uns von den dem Gletscher entfernten, umso weniger Schnee lag dort. An der F208 lag dann kein Schnee mehr, sodass wir zügig die N1 erreichten. An der Küste nahm dafür der Wind wieder stark zu.

Als wir Vik verließen, wurde es immer stürmischer und wir fuhren bei Windstärke 9 bis 10 langsam mit max. 40-50 km/h vor uns hinschaukelnd Richtung Selfoss. Der Gegenverkehr wurde bald weniger und hörte dann gänzlich auf. Als wir endlich an der Abzweigung zum Seljalandsfoss ankamen, sahen wir auch, warum es keinen Gegenverkehr mehr gab. Während wir noch auf der Strecke waren, wurde die Ringstraße auf dem Stück wegen des Sturmes für den Verkehr gesperrt. Unterwegs trafen wir noch auf eine Anhalterin, welche nicht mehr weiterkam, da der Busverkehr auf diesem Abschnitt schon zuvor eingestellt worden war. Sie hatte Glück, das Jens noch Platz in seinem Auto für sie und ihr Gepäck hatte. Beim Öffnen der Türen musste man sie mit beiden Händen gut festhalten, damit sie einem nicht gänzlich umklappten. Da der Skógafoss genau an der Strecke lag, schauten wir neugierig dort vorbei, um zu schauen, wie er wohl bei dem Sturm aussah. Auch er hatte Mühe, den Weg nach unten zu finden. Ein guter Teil des Wassers wurde wieder zurück geblasen.


Der Campingplatz am Seljalandsfoss war ebenfalls schon geschlossen, trotzdem waren noch einige Camper dort. Vom Platz aus kann man gut zu Fuß zum Wasserfall spazieren. Doch auch er hatte mit dem heftigen Wind zu kämpfen. Hinter dem Wasserfall ist eine Aushöhlung, auf der man entlanggehen kann. Nun, bei dem Wind schoss allerdings einiges an Wasser dort hinein. Als ich dort hindurch war, war ich dann auch klatschnass. Wie gut, dass ich für solche Gelegenheiten extra eine Regenhose mitgenommen hatte. Nicht so gut war, dass sie noch im Landy lag. Sehe ich ein schönes Motiv, ist es mit überlegen bei mir nicht mehr weit her. Und das Beste daran: Ich lerne auch nicht dazu...

Direkt hinter dem Campingplatz gibt es mit dem Gljúfurárfoss einen weiteren Wasserfall, welcher in einer halb offenen Höhle versteckt ist. Sehenswert. In der Nacht wird der Seljalandsfoss von 2 Strahlern beleuchtet, welches ein etwas surreales Bild abgibt.




Am nächsten Tag hatte der Wind wieder nachgelassen. Jedoch blieb es diesig und regnerisch. Die Scheibenwischer wedelten fröhlich vor sich hin und machten das Beste aus dem bescheidenen Wetter. Der Skógafoss fiel nun wieder senkrecht hinab. Als wir auf unserem Weg Richtung Osten weiterfuhren und an der Stelle vorbeikamen, wo das bekannte Flugzeugwrack am Strand lag, kam gerade die Sonne wieder heraus. Wir nutzten die Gelegenheit und marschierten die 4 km zum Strand, wo das zu Tode fotografierte Flugzeug im schwarzen Sand lag. Uns wunderte, dass es bei dem Sturm am Tag zuvor nicht weggeweht war. Die weiteren Sehenswürdigkeiten hielten sich bedeckt, sodass wir recht früh unser Camp in Vik aufschlugen.



Am nächsten Tag ist es immer noch sehr verregnet. Der N1 folgend ging es nach Osten, wo wir später bei Bölti unser Camp in Sichtweite der Gletscherzunge Skaftafellsjökull bezogen. Vom Campingplatz aus liefen wir zu der Gletscherzunge, wo im See davor kleine Eisberge trieben. Das Wetter blieb bescheiden, sehr windig und nass. So ersparten wir uns den Fußweg zum Zvartifoss. Auch der folgende Tag war wieder anstrengend feucht. Wir passierten weitere Gletscherzungen des Vatnajökull mit Seen und kleinen Eisbergen darin. Am Diamondbeach wurden die Eisblöcke, welche von den Gletschern ins Meer trieben, wieder auf den Strand geworfen und leuchteten dann schillernd und sehr fotogen auf dem schwarzen Sandstrand. Beim Fotografieren musste man schon aufpassen, keine nassen Füße zu bekommen. Einige Wellen liefen deutlich weiter den Strand hinauf als die anderen. Man sah immer wieder unvorsichtige Leute, welche beim Fotografieren nicht mehr schnell genug den Strand hinaufkamen und sich so eine gute Prise Meer als Andenken in die Stiefel luden. Selber schuld, wenn sie nur wegen eines Fotos so weit ans Wasser laufen und dann nicht aufpassen. Als wir zurück bei den Fahrzeugen waren, zog ich mir auch ein paar bequeme und vor allem trockene Schuhe an ...





Nach einer ruhigen Nacht im kleinen Hafenort Höfn war unser nächstes Ziel die Landzunge Stokksnes. Allerdings war es aufgrund der anhaltend schlechten Wetterlage nicht so schön anzusehen, wie ich es zuvor auf Bildern gesehen habe. Es gab noch eine verfallende Filmkulisse für einen Wikingerfilm zu sehen, welcher jedoch nie gedreht wurde. Ansonsten versuchte die Landschaft bei dem Wetter durch Grautöne zu überzeugen, was leider jedoch nicht immer gelang.



Um der Ringstraße noch einmal zu entgehen, folgten wir der F980 in ein breites Tal, welches von zahlreichen Wasserläufen durchzogen war. Die Piste war dort nur schwer zu erkennen, da das letzte Hochwasser scheinbar ein paar Umgestaltungen vorgenommen hat. Die Steine waren teilweise recht groß, sodass wir nur langsam vorankamen. Die Flussquerungen waren vom Wasserstand her unproblematisch, die steilen Böschungen manchmal jedoch etwas schwieriger zu fahren. Am Ende des Tals führte die Piste wieder in die Berge hinauf, wo jedoch später kräftiger Schneefall einsetzte und den teilweise recht steilen Weg sehr rutschig machte. Wir zogen es deshalb vor, den Rückweg anzutreten und auf den schmierigen Wegen kein Risiko einzugehen, zumal es eh eine Sackgasse gewesen wäre. Landschaftlich war die Ecke jedoch sehr reizvoll. Eine Gegend, die wohl jeden Schriftsteller beflügelt hätte. Ihr wisst schon, wenn Wörter reden könnten. Bei besserem Wetter muss es dort richtig schön sein, es hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Landmannalaugar.


Unsere Reise neigte sich langsam dem Ende zu und so folgten wir der Küste wieder in grober Richtung Fährhafen. Für einen kleinen Abstecher hatten wir jedoch noch Zeit. Der 910 folgend ging es wieder bergauf. Schon nach wenigen Höhenmetern ging der anhaltende Regen in Schnee über und schon bald gab es eine geschlossene Schneedecke. Dichtes Schneetreiben setzte ein, das war der Sicht jedoch nicht gerade zuträglich. Mit Sonnenbrille konnte man aber etwas Konturen in der Landschaft und vor allem auf der Straße erkennen. Waren die Scheibenwischer bis dahin noch guter Dinge, vernahm ich nun ein stetig lauter werdendes Gequengel, sie wollen doch lieber mit rein …

Es war faszinierend zu erleben, welch geringer Höhenunterschied solch einen Wetterwechsel hervorbrachte.






Bevor wir endgültig den Fährhafen ansteuerten, kurvten wir die kleineren Küstenstraßen entlang. Bei Lon finden wir einen schönen Platz für die Nacht, wo wir an einer Bucht völlig alleine stehen. Das Wetter ist immer noch windig und am Morgen zeigt die Kühlbox vorn im Fahrzeug wieder nur 0° an. Als wir die Bucht am nächsten Morgen verlassen, hat es wieder mal geschneit. Das muss man schon neidlos anerkennen, Wetter, dass können sie in Island …




Die Straße von Egilsstaðir zum Fährhafen in Seyðisfjörður ist für den Verkehr wegen Schneefall und Sturm komplett gesperrt. Also hieß es abwarten, bis der Wind sich gelegt und der Pass geräumt wurde. Am späteren Nachmittag war es dann so weit und wir konnten nach Seyðisfjörður fahren. Unterwegs hielten zwei querstehende LKW, die aus der Gegenrichtung kommend die Steigung nicht schafften, noch einmal den Verkehr auf. In Seyðisfjörður stellten wir die Autos auf dem Campingplatz ab und erkundeten zu Fuß den niedlichen kleinen Ort. Bei der Ankunft sind wir ja gleich los gedüst. So holten wir die Besichtigung jetzt nach. Viele kleine hübsche Holzhäuser und Gaststätten machten den Ort sehr einladend.



Am nächsten Tag schien die Sonne, als wolle Island sich noch einmal von seiner besten Seite zeigen. Wir hatten noch etwas Zeit bis zur Abfahrt der Fähre und fuhren so noch den Weg am Fjord entlang und ließen unseren letzten Tag auf der Insel entspannt ausklingen. Zum Abend ging es dann auf die Fähre und es hieß Abschied nehmen von Island. Bei lecker Pizza saßen wir in einem Restaurant im Heck der Fähre und schauten kauend zu, wie Island immer kleiner wurde …