Marokko 2016

 

 

Es geht auf den Herbst zu, die Tickets für die Fähre liegen schon einige Zeit bereit und warten ungeduldig darauf endlich eingesetzt zu werden. Also packen wir die Landys und machen uns auf, Richtung Spanien. Wir, das sind Jens mit seinem Land Rover 110 sowie mein Sohn Dominic und ich mit meinem 130er Pickup und Wohnkabine. Kilometer für Kilometer spulen wir ab, tanken, essen und schlafen um, in Barcelona angekommen, auf die Fähre zu fahren. Kaum auf der Fähre angekommen, macht sich auch schon Langeweile breit. Das geht mir immer so, ich mag es nicht wenn ich nicht mehr an den Landy kann und in der Kabine oder auf Deck rumlungern muss. Zumindest ist das Wetter gut und man kann es an Deck ganz gut aushalten. Der Pool ist leer und versifft und auch der Rest des Schiffes ist nicht sehr einladend. Mein Handy meldet irgendwann ein fröhliches „herzlich Willkommen auf Malta“  Ich schalte das GPS im Handy ein, um zu überprüfen ob der Kapitän oder meine Telefongesellschaft unter Drogen stehen. Der Kapitän ist es scheinbar nicht; die Fähre ist auf dem richtigen Kurs und so bringt sie uns in 25 Stunden ruhiger Fahrt nach Tanger Med, unseren Zielhafen in Marokko. Da wir deutlich schneller waren, als geplant, haben wir unseren Voucher nicht genutzt, im Gegenzug aber deutlich Zeit gewonnen. Die Einreiseformalitäten nach Marokko haben wir unterwegs auf dem Schiff erledigt. Wir sind erst sehr spät bei der Einreiseabfertigung auf der Fähre, außer uns ist keiner mehr da. So haben wir in nicht einmal 10 Minuten alle unseren Stempel im Pass. Unsere mitgebrachten D16er für die Fahrzeuge werden ebenfalls problemlos abgestempelt.

 

Die Marokkaner beladen ihre Fahrzeuge etwas kreativer wie wir, da hat der Zoll Spaß bei der Kontrolle

so'n schöner Pool ist schon was feines                                                                          die Gänge sind einfach urgemütlich

Da es noch früh genug ist, als wir aus der Zoll- und Passkontrolle am Hafen herauskommen, fahren wir die Küste entlang nach Martil. Dort verbringen wir die erste Nacht auf dem Campingplatz, bevor wir uns am nächsten Morgen auf den Weg in die etwa 60 km südlich gelegene Stadt Chefchaouen machen. Die Straßen durchs Rif-Gebirge sind gut ausgebaut und so gelangen wir recht schnell in den auf ca. 550m Höhe gelegenen Ort. Als wir uns der Altstadt nähern, winkt auch schon der erste Anbieter eines Parkplatzes. Da er aber keine konstruktiven Vorschläge unterbreiten kann oder will, wie wir unsere Landys in seine 1,80m Garage reinbringen sollen, fahren wir weiter zum nächsten Parkplatzdealer, der schon an der nächsten Ecke winkt. Dort gibt es 2 Parkplätze für uns in einer Seitenstraße, unweit der Stadtmauer. Wir schlendern gemütlich durch die blauen Gassen der Altstadt. Der Souk ist wirklich schön anzusehen, alle Häuser sind in Blautönen gehalten. Das satte Grün der Bäume dazu und die bunten Blumen in den Gassen ergeben zusammen ein freundliches, farbenfrohes Gesamtbild. Zwischendurch stärken wir uns in einem Restaurant und schauen ein wenig dem Treiben zu, bevor wir zu den Landys zurückkehren.


Abends in Martil                                                                                                          Chefchaouen


Für uns geht es weiter, die Millionenstadt Fes steht als nächstes auf dem Plan. Schon bei der Ankunft in der Stadt werden wir in einem Kreisverkehr von einem der Schlepper für den Campingplatz abgefangen. Wir kümmern uns nicht weiter darum und steuern den von uns zuvor ausgewählten Campingplatz am Stadion an. Dort angekommen ist auch der Schlepper da und tut so, als ob er uns hergebracht hat. Ich erkläre dem Campingplatzbetreiber, dass der Typ mit dem Roller ständig versucht hat uns zum Campingplatz Diamant Verde zu lotsen und seinen Campingplatz schlecht gemacht hat. Der entsetzte Blick des Schleppers ist Gold wert… Am nächsten Tag lassen wir die Fahrzeuge auf dem Stadtcampingplatz stehen und besichtigen die Altstadt, sowie die Färbereien. Die Medina ist ein Labyrinth aus kleinen und größeren Gängen, aber wir haben eine Führerin dabei, die uns alles zeigt was wir gerne sehen möchten und dazu noch interessante Geschichten zur Stadt erzählt. In der Lederfärberei riecht es etwas streng, jedoch nicht ganz so schlimm wie in einschlägigen Reiseführern beschrieben.






Es riecht etwa so wie am Laternenpfahl ganz unten, da wo die Hunde…ihr wisst schon. Die Färber stehen zum Teil barfuß in den unterschiedlich großen Trögen, um das Leder mittels Urin und Taubenkot von letzten Haaren zu befreien. Stundenlang wird das Leder in den Kesseln eingeweicht und geknetet, bevor es dann zum Trocknen ausgelegt wird. Das nun folgende Färben wird in traditioneller Art mit natürlichen Zusatzstoffen wie Indigo oder Mohn in weiteren Kesseln durchgeführt. Ein leichter Wind trägt den Geruch von Bahnhofstoilette herüber und wir sehen den Arbeitern bei ihrer schweren Arbeit zu. Jetzt im Herbst, wo es nicht ganz so warm ist, geht es mit den Geruch noch ganz gut. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es im Sommer, wenn die aufgeheizte Luft zwischen den Gebäuden steht, deutlich unangenehmer wird. Dass die Aussichtspunkte zu Lederwarengeschäften gehören, dürfte kein Zufall sein. Die Händler sind bemüht uns ihre Waren anzupreisen, bleiben dabei jedoch unaufdringlich – wer hat heutzutage schon noch einen Puff aus Leder im Haus?

Zuverlässig wie immer, geht am nächsten Morgen die Sonne im Osten auf und wir beschließen ihr ein Stück weit entgegen zu fahren.
Bei Guercif verlassen wir die teilweise parallel zur Autobahn verlaufende Teerstraße und tingeln auf Pisten weiter gen Osten. Wir schlagen einen Bogen über Ain-Benimathar und von nun an geht es gen Süden auf kleinen Pisten weiter. Das Gelände ist sehr flach, nur ein paar Büsche stehen dann und wann herum. Wir stellen uns neben ein paar dieser Büsche um sie als Windschutz zu nutzen und schlagen unser Camp auf.


In der Nähe von Tendrara halten wir uns westwärts, denn wir wollen über Talsinnt und Midelt zum Cirque de Jaffar. Die Piste hinter Talsinnt in Richtung Gourrama führt durch schöne Landschaft an einer Bergkette entlang. Immer wieder sind trockene Queds zu durchqueren, mit teilweise steilen Ab- und Auffahrten. An manchen Stellen unterlegen wir die unteren Kanten mit Steinen, damit die Kabine beim Durchfahren nicht aufsetzt. Hinter Midelt biegen wir auf den Cirque de Jaffar, müssen jedoch nach einigen Kilometern wieder umdrehen, da die Piste am Hang durch Geröll unpassierbar geworden ist. Es sind schon schwere Baugeräte vor Ort, um die Piste zu reparieren. Zurzeit jedoch ist mit den Landys kein Durchkommen. Wie zum Trost gibt es tolle Lichtspiele zwischen Wolken und Sonne.



Wir beschließen weiter nach Süden zu fahren und kommen so ins Gorge du Ziz. Die Straße schlängelt sich links am Fluss entlang, Palmen stehen am Ufer und kleine Dörfer mit schönen Lehmbauten stehen auf der anderen Seite im Tal. Bald darauf gelangen wir nach Er Rachidia und von dort weiter nach Meski, wo wir die Nacht an der blauen Quelle verbringen, leider gerade eine Baustelle.


 


In Erfoud biegen wir auf die R702, welche uns zum Erg Chebbie führt. Schon von weitem kann man die Sanddünen erkennen, welche sich hell vom dunklen Boden der Umgebung absetzen. Kaum das wir angekommen sind und die Luft von den Rädern lassen, taucht auch schon ein Berber mit seinem Roller auf und präsentiert uns kleine Handwerksarbeiten. Uns steht jetzt jedoch nicht der Sinn nach shoppen, wir wollen im Sand spielen. So fahren wir erst mal in den Erg hinein und toben ein wenig im Sand herum. Später queren wir den Erg am nördlichen Ende und umrunden ihn anschließend einmal. Zuverlässig füllt mein kleiner Kompressor, in Verbindung mit einem alten Feuerlöscher als Druckluftbehälter, die Reifen immer wieder mit dem geeigneten Luftdruck. So werden die Reifen bei schnelleren Streckenabschnitten außerhalb der Dünen nicht zu heiß. Eine Anschaffung bei der ich keinen Cent bereue, hatte ich doch zuvor die Reifen immer mit einer großen Luftpumpe von Hand wieder aufgepumpt. Auch mit 2 Landys nacheinander hatte er keine Probleme.


 


Für die Nacht suchen wir uns eine geeignete Stelle in den Dünen unweit von Adrouine. Scheinbar liegt unser Camp in der Nähe des Trecks von dem Ort zu einer in den Dünen gelegenen kleinen Oase. Einige geführte Touristenkarawanen kommen auf dem Weg zu der Oase auf Dromedaren oder Quads vorbei. Erst spät am Abend kehrt Ruhe ein und wir können den Sternenhimmel über den Dünen genießen.




 Am Morgen fahren wir nach Rissani und schlendern über den kleinen Souk. Eigentlich wollten wir noch die Kasbah besichtigen, aber ein selbsternannter, ungebetener Führer quasselte uns in einer Tour zu. „Frau soundso hat diese Kasbah besichtigt“, „Frau soundso hat dies angesehen und war in jenem Laden“, „Diese Kasbah steht im Reiseführer von Frau soundso...“. Dies ging in einer Tour so, ohne Pause. Der hat nicht mal geatmet dabei und wich uns nicht von der Seite. So haben wir die Besichtigung dann ausfallen lassen. Dabei war das an sich ein ganz netter Typ, ihr wisst schon. So einer der seiner Freundin zwei Mal am Tag das Essen in die Grube hinablässt…



Vor der Kasbah wo unsere Autos standen, hat ein Einheimischer versucht seinen Geländewagen neben unseren Landys zu parken. Dabei hat er jedoch ein Loch übersehen, in welchem sein 4x4 nun feststeckte als wir zurückkamen. Vorsichtig zog Jens ihn mit seinem Landy wieder auf die Straße. Außer einem verbeulten Schweller und etwas angekratzten Stolz war nichts passiert. Es ist immer wieder nett anzusehen, wie viele Leute bei solchen Situationen plötzlich auftauchen und mit klugen Ratschlägen und Händen in den Taschen bereitstehen.

 


An Merzouga und dem Erg Chebbie vorbei geht es nun für uns auf die Piste nach Mhamid. Immer kleiner werden die Dünen des Ergs in unseren Rückspiegeln und verschwinden bald ganz aus unserem Blick. Ist die Piste ab Taouz erst noch sehr steinig, so wird sie bald sandiger und ist angenehm zu fahren. Einzelne Tamarisken stehen in der Landschaft, welche ansonsten hauptsächlich von verschiedenen Ockertönen bestimmt ist. Eine Herde Kamele trottet gemütlich durchs Tal und knabbert an den Büschen herum. Es macht einfach nur Spaß die Pisten entlang zu fahren und dann und wann einen Fotostop einzulegen.







 Für die Nacht schlagen wir unser Quartier im Windschutz eines Hügels auf. Der Grill glüht vor sich hin und wir sitzen da und genießen einfach das hier und jetzt. Noch lange sitzen wir draußen und betrachten den Sternenhimmel, bevor wir in die Schlafsäcke kriechen.


Am Morgen erscheinen zwei Frauen mit ihren Kleinkindern und setzten sich direkt hinter unseren Autos in den Sand und schauen unserem tun zu. Auf Grüßen reagieren sie nicht, sondern sitzen einfach nur da. Da das etwas nervig ist, besonders bei der Morgentoilette,  ziehen wir schon bald weiter und suchen uns einen geeigneten Platz für unser Frühstück.
Unter einer einsamen Tamariske vor einer Sanddüne finden wir ein sehr schönes, schattiges Plätzchen und dehnen die Frühstückspause entsprechend aus.
Im weiteren Verlauf der Strecke geben sich nun sandige Passagen und schnell zu fahrende flache Ebenen die Klinke in die Hand, so dass uns die Fahrerei nicht langweilig wird.


Bei Nesrate endet unsere Piste leider und wir fahren nun wieder auf Teer. Wir folgen der Straße die restlichen Kilometer nach Mhamid, wo wir jedoch nur kurz tanken. Getankt wird in 20l als kleinster Menge... Danach fahren wir gleich wieder weiter Richtung Foum Zguid.

 


Nach dem wir Mhamid verlassen haben, geraten wir in einen kleinen Sandsturm. Man sieht nur ein paar Meter weit. Wir tasten uns voran, können aber Dank der Navis gut unserer Richtung auf der sich oft verzweigenden Piste halten. Nach einer Weile lässt der Wind nach und die Sicht wird wieder klarer. Wir streifen den Erg Chegaga und passieren kleine Sicheldünen. Ein Camp für die Nacht zu finden ist nicht schwer. Einfach ein paar Meter von der Piste runter und fertig. Verkehr gibt es eh nicht. Einladende Plätze zum Übernachten gibt es zuhauf. An diesem Abend scheint der Mond sehr hell und beleuchtet die grandiose Szenerie. Beste Bedingungen für Fotoaufnahmen von Sternenhimmel und Landschaft.
So bleiben wir auch an diesem Abend noch lange in unseren Klappstühlen vor den Landys sitzen.



 Sehr früh am Morgen gibt es einen unheimlich schönen Sonnenaufgang. Es ist ein toller Anblick, wie die Landschaft in völliger Stille langsam aus dem Dunkel der vergangenen Nacht auftaucht und die ersten zarten Lichtstrahlen das Leben neu zu entfachen scheinen. Die  Vögel nehmen munter ihr Gezwitscher auf und starten fröhlich in den neuen Tag, genauso wie die kleinen Geckos, die sich auf Steinen liegend von der Sonne neue Lebensgeister und Beweglichkeit einhauchen lassen.

So habe ich es zumindest mal irgendwo gelesen oder erzählt bekommen. Genau weiß ich es nicht mehr

Als ich endlich aufwache und aus der Kabine krabbel, ist dieses Schauspiel natürlich schon lange vorbei. Egal, filme ich halt später einen Sonnenuntergang und lasse das Video dann rückwärts laufen. Merkt doch keiner der nicht dabei war…

Beim Frühstück können wir noch einigen Kamelen zusehen, die nicht weit entfernt vorbei trotten und hier und da an den Büschen stehenbleiben um etwas zu fressen.

 

Später wird die Piste nach Foum Zguid über längere Strecke sehr steinig und wir kommen nur langsam voran. Die Landys schütteln sich und man hat das Gefühl sie zerlegen sich nach und nach. In der Kabine wird alles, was nicht fest verstaut ist, neu sortiert. Aber wir erreichen Foum Zguid ohne Probleme oder Schäden an den Fahrzeugen.



Die Piste aus meiner Erinnerung, welche von Foum Zguid nach Zagora führte, ist längst einer gut ausgebauten Landstraße gewichen. So erreichen wir recht schnell unser nächstes Ziel, den schönen Campingplatz in Zagora. Wir sind dort die einzigen Gäste. Am Abend schlendern wir durch den kleinen Ortskern von Zagora und gehen essen.


Anderntags folgen wir der Straße der Kasbahs, welche entlang des Draas führt, nach Norden. Am Ufer des Flusses wächst Schilf und das Grün gibt guten Kontrast zu den vorherrschenden Brauntönen der umliegenden Berge und den lehmfarbigen Kasbahs.

 

Bei Tansikhte halten wir uns rechts auf die R108, wir wollen in den hohen Atlas um dort eine Runde durch die Todra- und Dadesschlucht zu fahren. Bei Nkoub nehmen wir eine Piste durch die Berge, um auf die N10 zu gelangen. Von dort ist es dann nicht mehr weit bis zum Eingang der Todraschlucht. Nur muss hierzu erst mal diese Piste ein Ende finden. Sie ist sehr steinig und unangenehm zu fahren. Wir kommen langsamer voran als gedacht, die Landschaft entschädigt uns dafür aber mit immer neuen Ausblicken. Und alles hat ein Ende, so auch diese Piste (Abkürzung) und wir stoßen irgendwann auf die N10. Auf der gut ausgebauten Straße erreichen wir Tinhir und somit den Eingang zur Todra Schlucht.


Wir haben Glück, unser Zeitplan ist perfekt aufgegangen. Wären wir nur hunderttausend Jahre früher gekommen, hätte sich der Qued Todra auf seinem Weg in den Süden sicherlich noch nicht so tief ins Gestein des Atlasgebirges gegraben. So aber stehen wir nun vor den beeindruckenden, bis zu 300 Meter hohen Felswänden der engen Schlucht. Geht doch nichts über eine gute Planung. Jetzt im Herbst, führt der Fluss nur wenig Wasser. Die meisten Verkaufsstände am Eingang der Schlucht sind geschlossen oder abgebaut, die Hauptsaison scheint vorüber zu sein. Auch hier ist die ehemalige Piste inzwischen unter Asphalt begraben. Obwohl die Landschaft ja die gleiche geblieben ist, vermittelt mir eine Piste doch stärker den Eindruck von Ferne und Erlebnis, wie eine geteerte Straße. Aber es ist mittlerweile ja auch 20 Jahre her das ich hier gewesen bin. Wir fahren noch ein Stück in die Schlucht hinein und suchen uns dann ein geeignetes Camp für die Nacht. Der Abendhimmel zeigt uns ein tolles Feuerwerk.


Bei Tamtattouchte kommen wir an einem Outdoor Klassenzimmer vorbei. Schüler verschiedenen Alters sitzen auf dem Boden vor einer an der Hauswand provisorisch aufgehängten Tafel. Die Schulbusse, mit denen die Kinder eigentlich zur Schule gefahren werden, sind defekt und für eine Reparatur ist kein Geld da. So Unterrichten die älteren Schüler notdürftig die jüngeren Jahrgänge, damit nicht allzu viel an Unterricht verloren geht.

Wir nutzen die Gelegenheit und bringen den Kindern in sechs Sprachen bei, wie man bei Touristen nach Dirham bettelt ;-)


In Agoudal biegen wir vor der Tankstelle links ab, um über die nun folgende Piste zur Dadesschlucht zu fahren. Auf diesem Streckenabschnitt erreichen wir mit etwas über 2900m ü. NN den höchsten Punkt unserer Reise. Schon nach etwa 35 Kilometern geht aber auch diese Piste wieder in Teer über.


Die Straße verläuft hoch über dem Dades und bietet so immer wieder sehr schöne Aussichten in die Schlucht. Bei Ait Abi besichtigen wir eine alte Kasbah, welche uns eine Anwohnerin aufgeschlossen hat. Die steile Treppe in dem dunklen Aufgang hat schon arg gelitten und die Stufen sind entweder schräg, unterschiedlich hoch oder glänzen durch Abwesenheit. Auf dem Dach der Kasbah spürt man bei jedem Schritt den federnden Boden aus alten Balken und Lehm, an manchen Stellen hat man das Gefühl gleich durchzubrechen. Aber die Aussicht über die anderen Kasbahs in der Umgebung und das Dorf ist großartig. Anschließend fahren wir einen ausgetrockneten Flusslauf entlang in ein Seitental und finden dort ein ruhiges Camp für die Nacht.




Wir verlassen die Dadesschlucht und machen uns auf Richtung Atlantik. Hinter Quazazate treffen wir auf eine alte Filmkulisse in Form einer alten amerikanischen Tankstelle, wo vor vielen Jahren der Horrorfilm „The Hills Have Eyes“ gedreht wurde. Ein junger Mann passt dort auf die Überreste auf und so können wir die Tankstelle besichtigen. Ansonsten ist die Strecke nicht so spannend. Aber wir kommen gut voran und erreichen Foum Zguid, wo wir auf dem nahe gelegenen Campingplatz Bab Rimal übernachten, um eine warme Dusche zu genießen. Der beleuchtete Pool, umgeben von Palmen und Hügeln im Hintergrund vermittelt den Eindruck von tausend und einer Nacht. Ein fantastischer Anblick.


Wir verlassen Foum Zguid und folgen nun der N12 Richtung Küste. Über Tata und Akka gelangen wir nach cirka 500 Km etwas eintöniger Fahrt nach Guelmin. Im dortigen Supermarkt gibt es gutes Rindfleisch vom Kühltresen, sodass wir den Abend lecker Entrecôte auf die kohlenbefeuerte Roste schmeißen können. Eine schöne Belohnung für die recht lange Tagesetappe. Hinter TanTan, mit seiner berühmten Einfahrt erreichen wir den Atlantik und fahren nun Südwärts. Zahlreiche Angler stehen an der steilen Küste und versuchen ihr Glück. Der Fang wird meist gleich an vorbeifahrende Trucker weiterverkauft und hängt dazu werbewirksam an einem langen Stock direkt an der Straße.


Auffallend viele Land Rover Santanas begegnen uns auf unserem Weg in die Westsahara. Haben wir zuvor nur sehr vereinzelt mal einen alten Land Rover in Marokko gesehen, so fahren hier noch sehr viele davon herum. Fast alle sind völlig überladen, aber durchweg in gutem Zustand. Zumindest dem äußeren Anschein nach. Im kleinen Fischerhafen von Tarfaya sehen wir den Fischern eine Weile bei ihrem Treiben zu. Eifrig wird der Fang des Tages vom Steg auf einen Land Rover Santana Pickup verladen und abtransportiert. Einige der Fische schaffen es allerdings nicht mehr das Hafengelände zu verlassen: Mehrere Grills laufen schon auf Hochtouren, Rauch steigt in die Luft und es riecht lecker nach gegrilltem Fisch.





Laayoune ist der südlichste Punkt unserer Reise. Von nun an geht es Nord- und damit heimwärts. Die Kraftstoffpreise sind recht günstig, so wird der Vorrat an Diesel natürlich aufgefüllt. Die Küste ist hier sehr flach, das ermöglicht uns ein schönes Camp direkt am Atlantik zwischen den Dünen zu suchen. Als ich am Strand entlang laufe, wie immer auf der Suche nach Fotomotiven, begegnet mir ein alter Mann im Joggingklamotten und nur noch sehr rudimentär vorhandenem Gebiss. Er erklärt mir mit Händen und Füßen, dass er gerne meinen Ausweis sehen würde und wissen wolle ob ich länger bleiben möchte. Ich weiß nicht so Recht was ich davon halten soll und tue so, als ob ich nicht verstehe was er von mir will. Zudem habe ich eh keinerlei Papiere dabei. So verabschieden wir uns lächelnd und gehen unserer Wege. Später am Abend kommt der alte Mann mit einem Funkgerät in der Hand und in Begleitung von zwei Soldaten in unser Camp und erklärt uns, dass sie hier an diesem Küstenabschnitt aufpassen, also die Grenze überwachen. Und somit müssen sie Protokoll führen über alle Abweichungen vom normalen Tagesgeschehen. Und wir sind nun diese Abweichung. Sie sind sehr freundlich und wir geben ihnen welche von unseren vorbereiteten Fichen mit den Personal und Fahrzeugdaten. Sie freuen sich, dass sie somit nicht selber schreiben müssen und verabschieden sich nach einiger Zeit wieder. Das wir am Strand übernachten wollen ist für sie kein Problem. You are welcome…


Anderntags fällt mir auf, dass die Bretterbuden die ich schon zuvor am Strand gesehen und für alte Fischerhütten gehalten hatte, alle eine Sat-Schüssel besitzen und ab und an Uniformen zum Trocknen in der Sonne hängen. Die kleinen Behausungen sind immer in Sichtweite zueinander, sodass eine lückenlose Überwachung möglich ist. Weiter im Norden sind diese Hütten dann ein klein wenig größer und aus Beton bzw, Stein gebaut und sehen nicht mehr so herunter gekommen aus.

In einem Ort, dessen Namen ich vergessen habe, sehe ich eine kleine Werkstatt. Davor steht ein Land Rover Santana mit offener Motorhaube und ein Mechaniker werkelt auf dem Boden neben dem Auto herum. Er wäscht gerade den Ölbadluftfilter aus und das alte Öl sucht sich seinen Weg auf dem Betonboden. Natürlich geradewegs zum Nachbarn und seinem Obst- und Gemüsestand ;-)

Beiden scheint das jedoch kein bemerkenswerter Umstand zu sein. Ok, soll es mich auch nicht weiter stören, ich brauche derzeit gerade eh kein Obst…

Wir bleiben an der Küste und gelangen über den befahrbaren, jedoch stark vermüllten Strand Plage Blanche nach Sidi Ifni. Ab hier geht es rasch gen Norden und wir erreichen bald Essaouira, die große Hafenstadt am Atlantik. Über dem Hafen liegt dichter Nebel und es herrscht reges Treiben. Der Hafen ist voll von kleinen blauen Fischerbooten. Überall wird Fisch entladen und auch gleich verteilt. Jeder schleppt Fisch in kleinen Holzkisten oder Tüten auf Handwagen, dem Fahrrad oder zu Fuß davon.


Wir bummeln noch ein wenig durch die Altstadt, welche jedoch schon arg touristisch ist. So bleiben wir nicht sehr lange und verlassen die Stadt bald wieder.

Wir fahren jetzt landeinwärts, vorbei an vielen Arganbäumen, auf denen die Ziegen klettern und die saftigsten Blätter fressen, aus denen sonst das Arganöl gewonnen wird und für das Marokko bekannt ist.

Auf dem Stadtcampingplatz von Marrakesch lassen wir die Autos zurück und fahren mit dem Taxi in die Altstadt. Dort kann man rund um den zentralen Marktplatz Djemaa el Fna in kleinen Cafés sitzen und Handyverkäufer abwimmeln, welche von Zigaretten und diese wiederum von Uhrenverkäufern abgelöst werden, zumindest solange die T-Shirt Händler oder Sonnenbrillendealer sich nicht vordrängeln.

Aber am Abend, wenn auf dem Platz dicht an dicht die kleinen Garküchen und Grillbuden stehen und der leckere Duft von Gegrilltem und die vielen Lichter den Markt überströmen ist es schon ein Besuch wert.



Auf unserem Heimweg machen wir noch einen Zwischenstopp am höchsten Wasserfall Marokkos, dem Cascade de Ouzoud und im Zedernwald bei Azrou, wo noch zahlreiche Berberaffen beheimatet sind. Über Ifrane gelangen wir abermals nach Fes. Quer durchs Rif Gebirge geht es nun durch kleine, zumeist sehr dreckige Orte, von denen Katema den Höhepunkt bildet. Ständig werden wir gefragt ob wir etwas Hasch kaufen wollen oder Fahrzeuge überholen uns und fahren dann mit Warnblinkern vor uns her und winken um etwas zu verkaufen. An der Küste bei El-Jebha angekommen halten wir uns nun Richtung Tanger. Auf der gut ausgebauten Küstenstraße gelangen wir schnell nach Tetouan. Der dortige Markt hat uns sehr gut gefallen, kein Vergleich zu den touristisch ausgeprägten Souks von Marrakesch oder Tanger. Man kann in Ruhe durch die Gassen schlendern und auch mal etwas anschauen, ohne gleich in ein Verkaufsgespräch verwickelt zu werden.



Die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre überbrücken wir in den Gassen der Altstadt von Tanger, von wo es dann nur noch ca. 40 Kilometer bis zum Fährhafen Tanger Med sind.


Viel zu schnell ging auch diese Reise wieder vorüber und vor uns liegt die langweilige Heimfahrt von Barcelona zurück nach Deutschland.